Kapitalanlagen · 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert Mai. 2026

Steueroptimierung Scalable Capital 2026: ETF-Depot & Robo-Advisor Steuern

Steueroptimierung bei Scalable Capital 2026: ETF-Sparpläne, Tax-Loss-Harvesting, Vorabpauschale und Robo-Advisor Steuerbescheinigung — alles was Sie 2026 wissen müssen.

Steueroptimierung Scalable Capital 2026: ETF-Depot & Robo-Advisor Steuern
Zuletzt aktualisiert:

Scalable Capital gehört zu den beliebtesten Online-Brokern und Robo-Advisors in Deutschland. Wer sein Vermögen dort anlegt, sollte die steuerlichen Besonderheiten kennen – besonders wenn es um ETF-Sparpläne, die Vorabpauschale und das sogenannte Tax-Loss-Harvesting geht. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Ihr Scalable-Capital-Depot 2026 steueroptimal nutzen und dabei keine Fallstricke übersehen.

Scalable Capital im Steuerfokus: Broker vs. PRIME Broker

Scalable Capital bietet zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle an, die sich auch steuerlich unterscheiden:

  • Scalable Broker (Kostenlos-Variante): Das Depot wird bei der illion Bank geführt. Hier erhalten Sie Ordergebührenfreiheit, aber nur bei begrenztem Service.
  • Scalable PRIME Broker: Die Premium-Variante mit erweiterten Funktionen und besserer Depotabstimmung. Auch hier ist die illion Bank der Depotanbieter.

Für beide Varianten gilt: Scalable Capital ist nicht selbst Ihr Depotanbieter, sondern die illion Bank. Das ist wichtig für die Besteuerung, denn die illion Bank ist Erfüllungsgehilfe und meldet alle steuerpflichtigen Vorgänge an das Finanzamt. Sie erhalten eine Jahressteuerbescheinigung (ehemals Anlage KAP-Ausfüllhilfe), die der illion Bank zu verdanken ist, nicht Scalable Capital selbst.

Bei ETF-Sparplänen werden automatisch Vorabpauschalten berechnet und abgeführt. Das bedeutet: Selbst wenn Sie mit Ihren ETF-Anteilen noch gar keine Gewinne realisiert haben, zahlen Sie bereits Kapitalertragsteuer (Kest) in Höhe von 26,375 % (inklusive Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer). Das ist die sogenannte Besteuerung des « Zwischenergebnisses », das der Gesetzgeber seit 2018 für Sparer vorsieht.

Robo-Advisor bei Scalable Capital: Tax-Loss-Harvesting als Steuergestaltung

Ein großer Vorteil des Scalable-Robo-Advisors liegt im sogenannten Tax-Loss-Harvesting (TLH). Diese Funktion realisiert automatisch Verluste, um diese gegen andere Gewinne aufzurechnen – das spart Steuern.

Wie funktioniert das Prinzip?

Angenommen, Sie besitzen einen ETF, der 500 Euro unter seinem Kaufpreis notiert. Der Robo-Advisor verkauft diesen ETF automatisch und löst damit einen Verlust aus. Diese 500 Euro Verlust können Sie in der Steuererklärung geltend machen und damit andere Kapitalerträge (z. B. Dividenden oder Fondsausschüttungen) senken. Die Kest zahlen Sie dann auf die Netto-Gewinne, nicht auf die Brutto-Gewinne.

Das Wichtigste: Die Regel der «Spekulationsfrist» betrifft das nicht. Bei ETF-Sparplaneinträgen gibt es keine Haltefrist von einem Jahr mehr (das war bei Einzelaktien bis 2008 relevant). Verluste und Gewinne können jederzeit realisiert werden.

Automatisch vs. manuell: Bei Scalable Capital PRIME können Sie die TLH-Funktion automatisieren lassen. Der Robo-Advisor scannt Ihr Portfolio mehrmals jährlich und realisiert Verluste aktiv. Bei der kostenlosen Broker-Variante müssen Sie das manuell tun – was deutlich aufwändiger ist. Der Steuervorteil des Robo-Advisors kann sich so auf mehrere hundert Euro pro Jahr summieren.

Wichtig: Bei TLH muss man aufpassen, dass man nicht in die «Wash-Sale»-Falle tappt. Nach deutschem Recht gibt es zwar keine formale Wash-Sale-Regel wie in den USA, aber der Gesetzgeber achtet genau hin, wenn Sie einen ETF verkaufen und wenige Tage später einen optisch identischen oder „wirtschaftlich gleichartigen" ETF kaufen. Scalable und professionelle Robo-Advisors vermeiden das durch intelligente Algorithmen: Sie verkaufen z. B. den iShares Core DAX UCITS ETF und kaufen kurz darauf einen Xtrackers DAX UCITS ETF – beide trackten den DAX, sind aber rechtlich unterschiedliche Wertpapiere.

Die Vorabpauschale bei ETF-Sparplänen: Was Scalable-Nutzer wissen müssen

Die Vorabpauschale ist eine der wichtigsten Steuerfallen für Sparplaner. Sie wurde mit der Finanztransaktionssteuer-Reform 2018 (§ 1 Abs. 3a InvStG) eingeführt und belastet ETF-Sparer deutlich.

Das Prinzip: Der Gesetzgeber vermutet, dass jeder ETF eine Rendite erbringt. Diese wird mit einer fiktiven «Rendite» berechnet, die auf dem deutschen Basiszinssatz fußt. 2026 liegt dieser bei etwa 2,5 % p. a. Darauf werden die 26,375 % Kapitalertragsteuer erhoben – unabhängig davon, ob der ETF im Plus oder im Minus ist.

Ein Beispiel: Sie sparen monatlich 500 Euro in einen World-ETF ein. Das entspricht am Jahresende etwa 6.000 Euro Anlagesumme (vereinfacht). Die Vorabpauschale für diesen ETF liegt etwa bei 0,5 % (abhängig vom ETF). Das sind 30 Euro fiktive Gewinne. Die Kest beträgt dann: 30 Euro × 26,375 % = etwa 8 Euro pro Jahr – beim ETF unmittelbar einbehalten.

Bei Scalable Capital erfolgt die Vorabpauschale-Abführung automatisch: Die illion Bank zieht die Beträge ein und meldet sie an das Finanzamt. Sie müssen nicht aktiv werden. Allerdings können Sie die Vorabpauschale in Ihrer Steuererklärung nicht mehr als Sonderausgabe oder ähnliches absetzen – die Besteuerung ist endgültig.

Sparer sollten daher überlegen: Lohnt sich ein ETF-Sparplan in großem Umfang, wenn jährlich Vorabpauschalen anfallen? Die Antwort ist meist ja, denn die langfristige Rendite von ETFs übersteigt die laufenden Steuern. Allerdings ist es sinnvoll, ausschüttende ETFs zu meiden und auf thesaurierende (wiederanlegende) ETFs zu setzen. Diese schütten Dividenden nicht aus, sondern investieren sie automatisch wieder. Dadurch entfällt die Dividendenbeste­uerung, und Sie zahlen nur die geringere Vorabpauschale.

Freistellungsauftrag und Steuerbescheinigung richtig nutzen

Jeder Steuerzahler in Deutschland hat Anspruch auf einen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr (§ 20 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 EStG 2026). Ehegatten erhalten je 1.000 Euro, das ist zusammen 2.000 Euro Kapitalerträge, die steuerfrei sind.

Bei Scalable Capital müssen Sie selbst einen Freistellungsauftrag erteilen, um diesen Freibetrag zu nutzen. Das geht einfach über die App oder die Website:

  • Gehen Sie zu «Mein Depot» → «Steuern» → «Freistellungsauftrag»
  • Geben Sie an, wie viel des Sparerpauschbetrags Sie dort nutzen möchten (mindestens 0 Euro, maximal 1.000 Euro)
  • Bestätigen Sie den Antrag

Die illion Bank kümmert sich dann darum, dass Kapitalerträge bis zur Grenze des Freistellungsauftrags nicht besteuert werden. Das spart bei durchschnittlichen Einkommen etwa 263 Euro pro Jahr (1.000 Euro × 26,375 %).

Wichtig: Sie sollten einen Freistellungsauftrag bei Scalable Capital erteilen, aber nicht gleichzeitig bei anderen Banken. Der Gesetzgeber lässt nur einen Freistellungsauftrag pro Person zu. Wenn Sie mehrere Depots haben, sollten Sie die 1.000 Euro auf die Depots mit der höchsten erwarteten Rendite verteilen.

Am Ende des Jahres erhalten Sie von der illion Bank eine Steuerbescheinigung (auch Kontoauszug für Steuerzwecke genannt). Diese enthält alle relevanten Daten:

  • Kapitalerträge (Dividenden, Fondsausschüttungen)
  • Vorabpauschalten
  • Realisierte Gewinne und Verluste
  • Einbehaltene Kapitalertragsteuer
  • Freistellungsaufträge und Freibeträge

Diese Steuerbescheinigung laden Sie sich herunter oder erhalten sie per Post. Sie müssen diese nicht zusammen mit Ihrer Steuererklärung einreichen, aber Sie sollten sie für Ihre Unterlagen aufbewahren. Wenn Sie die Anlage KAP ausfüllen (für Einkünfte aus Kapitalvermögen), können Sie sich die Daten aus der Steuerbescheinigung direkt in die Erklärung übertragen lassen – das geht meist über die ELSTER-Schnittstelle oder per Freitextfeld.

Depot-Übertrag zu oder von Scalable Capital: Steuerliche Auswirkungen

Viele Anleger fragen sich: Werden beim Depot-Übertrag Steuern fällig? Die gute Nachricht: Nein. Der reine Depot-Übertrag (auch «Depotübertragung» oder «Wertpapierübertrag» genannt

SteuernSparen.one Redaktion

Unsere Inhalte werden von einem spezialisierten Redaktionsteam erstellt und regelmäßig auf Richtigkeit und Aktualität geprüft.

✓ Geprüfte Inhalte Zuletzt aktualisiert: Über die Redaktion →
Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 2026. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an einen zugelassenen Steuerberater.
§
Depot-Vergleich öffnen Günstigste Konditionen für ETF & Aktien
Jetzt berechnen →