Flatex hat sich als einer der günstigsten Broker am deutschen Markt etabliert – doch günstige Gebühren bedeuten nicht automatisch niedrigere Steuern. Die österreichische Struktur des Unternehmens, die Muttergesellschaft degiro und die technische Umsetzung von Steuerfunktionen werfen bei vielen Anlegern Fragen auf. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie bei Flatex die Steuererklärung richtig gestalten, Depot-Überträge steueroptimal durchführen und welche Fallstricke es bei der Gewinn- oder Verlustberechnung gibt.
Flatex und Steuern: Grundlagen der österreichischen Struktur
Flatex ist eine Tochtergesellschaft der niederländischen degiro B.V. und operiert in Deutschland über die Flatex Bank, die ihren Sitz in Wien, Österreich, hat. Das ist zunächst ein wichtiger Punkt: Obwohl Flatex deutschsprachig ist und von vielen deutschen Anlegern genutzt wird, ist es technisch eine österreichische Bank. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile für die Steuerbehandlung.
Für deutsche Privatanleger gilt: Die Besteuerung von Gewinnen aus Wertpapierverkäufen richtet sich nach deutschem Recht, nicht nach österreichischem. Das bedeutet, dass die Abgeltungsteuer nach § 32d Einkommensteuergesetz (EStG) angewendet wird – unabhängig davon, dass der Broker seinen Sitz in Österreich hat. Der aktuelle Steuersatz beträgt 26,375 % (inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer). Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zu großen deutschen Banken: Flatex ist keine inländische Betriebsstätte im Sinne des deutschen Steuerrechts und führt daher keine Kapitalertragssteuer automatisch ab.
Das bedeutet konkret: Sie erhalten von Flatex keine automatische Steuerabführung auf Gewinne, Dividenden oder Zinsen. Sie müssen diese selbstständig in Ihrer Steuererklärung angeben und zahlen – entweder durch Selbstveranlagung oder durch Nachzahlung bei der Steuerveranlagung.
Die Steuerbescheinigung bei Flatex: Wo Sie sie finden und richtig nutzen
Flatex stellt seinen Kunden eine Steuerbescheinigung zur Verfügung, die wichtig für die Steuererklärung ist. Diese Bescheinigung enthält die relevanten Daten zu realisierten Gewinnen und Verlusten aus Wertpapierverkäufen, Dividendeneinkünften und Zinserträgen.
Download und Verfügbarkeit: Die Steuerbescheinigung können Sie im Flatex-Kundenbereich unter „Dokumente" oder „Steuerbescheinigung" herunterladen. Sie erhalten diese typischerweise im März des darauffolgenden Jahres für das abgelaufene Steuerjahr. Die Bescheinigung liegt im PDF-Format vor und kann sowohl für die Steuererklärung selbst als auch für die Dokumentation von Einkünften genutzt werden.
Was die Steuerbescheinigung enthalten sollte:
- Gesamtbetrag der realisierten Veräußerungsgewinne
- Gesamtbetrag der realisierten Veräußerungsverluste
- Summe der Dividenden und Fondsausschüttungen
- Kapitalerträge (Zinsen, soweit vorhanden)
- Quellensteuer auf Dividenden (häufig 15 % oder 26,375 %)
- Abgeführte Kirchensteuer (falls vorhanden)
Ein wichtiger Hinweis: Überprüfen Sie die Steuerbescheinigung genau auf Vollständigkeit. Besonders bei Depot-Übertragen oder bei Änderungen der Depotstruktur können Positionen versehentlich nicht berücksichtigt werden. Falls die Bescheinigung unvollständig erscheint, kontaktieren Sie den Support.
Flatex FIFO und die steuerlichen Auswirkungen
Flatex nutzt für die Berechnung von Gewinnen und Verlusten das sogenannte FIFO-Prinzip (First In, First Out). Das bedeutet: Die Aktien oder ETFs, die Sie zuerst gekauft haben, gelten auch als die zuerst verkauften – unabhängig davon, welche Sie faktisch verkaufen möchten.
Das FIFO-Prinzip ist in Deutschland nach § 341b Handelsgesetzbuch (HGB) und korrespondierend nach deutschem Ertragsteuerrecht vorgeschrieben, wenn Sie nicht ausdrücklich andere Methoden dokumentieren. Das bedeutet: Flatex wendet die gesetzlich korrekte Methode an.
Steuerliche Auswirkungen des FIFO-Prinzips: Wenn die Kurse über längere Zeit steigen, führt FIFO zu höheren Gewinnen als das LIFO-Prinzip (Last In, First Out) oder als eine gezielte Einzelveräußerung (wo Sie bestimmte, besonders profitable oder verlustbringende Positionen auswählen). Das kann steuerlich ungünstig sein, wenn Sie Verluste ausgleichen wollen oder in einem Jahr hohe Gewinne realisiert haben.
Eine Option besteht darin, dass Sie Positionen gezielt einzeln verkaufen und dies gegenüber dem Broker dokumentieren. Viele Broker – auch Flatex – ermöglichen es, beim Verkauf eine bestimmte Position auszuwählen, statt automatisch FIFO anzuwenden. Überprüfen Sie in Ihrem Flatex-Depot, ob diese Funktion verfügbar ist. Dokumentieren Sie dabei stets schriftlich, welche Position Sie verkaufen, um im Fall einer Betriebsprüfung Nachweise zu haben.
Depot-Übertrag zu oder von Flatex: Was passiert mit den Einstandspreisen?
Viele Anleger wechseln zu Flatex, weil die Gebühren attraktiv sind, oder ziehen zu einem anderen Broker um. Ein Depot-Übertrag ist steuerlich keine steuerpflichtige Veräußerung – aber die technische Umsetzung ist entscheidend.
Steuerliche Behandlung: Nach § 1 Abs. 1a Kapitalertragssteuergesetz (KapErtStG) ist ein Depot-Übertrag nicht als Veräußerung zu qualifizieren. Das bedeutet, dass keine Kapitalertragssteuer auslöst wird. Der ursprüngliche Einstandspreis (Kaufpreis) der Positionen bleibt für spätere Veräußerungen relevant.
Probleme in der Praxis: Flatex und andere Broker müssen die Einstandspreise beim Übertrag mitteilen. Dies erfolgt über den Depotübertrag-Vermerk oder die Dokumentation. Ein häufiges Problem: Wenn Sie Positionen in mehreren Tranchen gekauft haben und später nur einen Teil übertragen, kann die Zuordnung unklar sein. Besonders bei Übertragen zu und von Flatex sollten Sie:
- Eine detaillierte Liste aller Positionen mit Kaufpreisen und -daten anfertigen
- Diese der abgebenden Bank mitteilen und bestätigen lassen
- Die Bestätigung für Ihre Unterlagen aufbewahren
- Nach dem Übertrag überprüfen, ob alle Einstandspreise korrekt übernommen wurden
Falls beim Übertrag Einstandspreise verloren gehen, können Sie diese meist nicht mehr rekonstruieren. Das führt dazu, dass Flatex oder der neue Broker die Einstandspreise schätzt – häufig zu Ihrem Nachteil (mit dem Tageskurs der Übertragung als neuer Einstandspreis). Das kann zu Steuernachzahlungen führen.
Flatex vs. degiro: Steuerliche Unterschiede zwischen Standorten
Flatex und degiro sind zwar sister companies, unterscheiden sich aber in ihren steuerlichen Strukturen. degiro hat Depots in mehreren Ländern – Deutschland (Flatex), Österreich, Niederlande und weiteren. Das wirkt sich auf die Steuerbehandlung aus.
Flatex (österreichische Bank, deutsches Depot): Für deutsche Anleger gelten deutsche Steuergesetze. Keine automatische Steuerabführung, aber die Steuerbescheinigung ist dokumentierbar.
degiro-Depot in den Niederlanden oder Österreich: Wer ein Depot direkt bei degiro in den Niederlanden oder Österreich führt, muss aufpassen. Diese unterliegen nicht dem deutschen Steuerrecht, und Ihre deutschen Steuererklärungen könnten hinterfragt werden. Das deutsche Finanzamt kann von Ihnen erwarten, dass Sie nachweisen, dass die Einkünfte ordnungsgemäß versteuert sind. Das ist erheblich komplizierter als bei Flatex, wo die Struktur eindeutig ist.
Unter dem Strich: Wenn Sie in Deutschland steuerpflichtig sind, ist Flatex (deutsche Depots) steuerlich einfacher zu handhaben als degiro in anderen Ländern.
Vergleich: Steuer-Handling bei verschiedenen Brokern
| Broker | Sitz / Regulierung | Steuerabführung in DE | Steuerbescheinigung | FIFO-Standard | Depot-Transfer Komfort |
|---|---|---|---|---|---|
| Flatex | Österreich (für DE Kunden) | Nein | Ja, automatisch | Ja | Gut, teilweise mit Einstandspreisen |
| Trade Republic | Deutschland (BaFin) | Ja, automatisch | Ja, automatisch | Ja | Einfach, Einstandspreise meist korrekt |
| ING-DiBa | Deutschland
Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung.
Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 2026. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an einen zugelassenen Steuerberater.
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