Einkommensteuer · 3 Min. Lesezeit · Aktualisiert Jun. 2026

Versorgungsausgleich & Steuer: Was bei Scheidung mit der Rente passiert

Versorgungsausgleich & Steuer: Was bei Scheidung mit der Rente passiert

Versorgungsausgleich & Steuer: Was bei Scheidung mit der Rente passiert
Zuletzt aktualisiert:

Bei einer Scheidung wird nicht nur Vermögen geteilt — auch Rentenanwartschaften werden ausgeglichen. Der Versorgungsausgleich hat direkte steuerliche Konsequenzen, die viele Betroffene überraschen.

Was ist der Versorgungsausgleich?

Im Versorgungsausgleich werden alle während der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften (gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Altersvorsorge, Beamtenversorgung, Riester, Rürup) hälftig zwischen den Ehepartnern aufgeteilt.

Steuerliche Folgen für den Ausgleichspflichtigen

Wer Rentenanwartschaften abgibt, hat später eine niedrigere Rente. Als Ausgleich kann die gezahlte Steuer auf die Rente anteilig gemindert werden. Außerdem: Abfindungszahlungen beim internen Ausgleich können steuerlich relevant sein.

Sonderausgabenabzug beim Ausgleich von Rürup/bAV: Wenn ein Ehegatte im Versorgungsausgleich Beiträge an die Altersvorsorge des anderen leistet (Ausgleichsbetrag), können diese unter bestimmten Voraussetzungen als Sonderausgaben abgesetzt werden.

Steuerliche Folgen für den Ausgleichsberechtigten

Wer Rentenanwartschaften erhält, muss die spätere Rente entsprechend vollständig versteuern — genauso als hätte er selbst die Beiträge eingezahlt. Es gibt keine Steuerbefreiung für "übertragene" Rentenanteile.

SituationSteuerliche Behandlung
Ausgleichspflichtiger gibt GRV-Punkte abSpätere Rente niedriger → weniger Steuern auf Rente
Ausgleichsberechtigter erhält GRV-PunkteSpätere Rente höher → mehr Steuern auf Rente
Ausgleich per Kapitalzahlung (Abfindung)Ggf. steuerpflichtig als sonstige Einkünfte
Scheidungsfolgekosten (Anwalt, Gericht)Seit 2013 NICHT mehr als Sonderausgaben absetzbar

Realsplitting nach der Scheidung

Im Trennungsjahr gilt noch die gemeinsame Veranlagung. Ab dem Jahr nach der Scheidung entfällt der Splittingvorteil. Als Alternative gibt es das Realsplitting (§ 10 Abs. 1a EStG): Unterhaltszahlungen an den Ex-Partner können bis €13.805/Jahr als Sonderausgaben abgesetzt werden — wenn der Empfänger zustimmt (Anlage U) und die Zahlungen bei ihm versteuert.

Achtung: Scheidungskosten (Anwalt, Gericht, Mediator) sind seit dem Urteil des Bundesfinanzhofs 2015 grundsätzlich nicht mehr als außergewöhnliche Belastungen absetzbar — außer bei einer besonders einschneidenden Scheidungssituation. Lassen Sie die Absetzbarkeit im Einzelfall prüfen.
Kann man den Versorgungsausgleich durch Ehevertrag ausschließen?

Ja. Ein notarieller Ehevertrag kann den Versorgungsausgleich ausschließen oder modifizieren. Das ist vor allem sinnvoll wenn ein Partner bereits gut versorgt ist (z.B. Beamter mit Pension) und der andere kein Interesse an Rentenübertragungen hat.

Was passiert mit der Riester-Rente bei Scheidung?

Riester-Verträge können im Versorgungsausgleich aufgeteilt werden. Der übertragene Anteil wird in einen eigenen Riester-Vertrag des Empfängers überführt — inklusive der staatlichen Zulagen, die bereits erhalten wurden.

Ist der Unterhalt für Kinder nach Scheidung steuerlich absetzbar?

Kindesunterhalt ist nicht als Sonderausgabe absetzbar — dafür gibt es Kindergeld und Kinderfreibetrag. Nur Ehegattenunterhalt (Realsplitting) kann unter den genannten Bedingungen abgesetzt werden.

SteuernSparen.one Redaktion

Unsere Inhalte werden von einem spezialisierten Redaktionsteam erstellt und regelmäßig auf Richtigkeit und Aktualität geprüft.

✓ Geprüfte Inhalte Zuletzt aktualisiert: Über die Redaktion →
Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 2026. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an einen zugelassenen Steuerberater.
§
Steuer-Rechner nutzen Persönliche Steuerlast berechnen
Jetzt berechnen →