Die Riester-Rente ist staatlich geförderte Altersvorsorge mit Zulagen und Steuervorteilen. Trotz sinkender Renditen im Niedrigzinsumfeld lohnt sie sich für bestimmte Gruppen — besonders für Geringverdiener, Familien mit Kindern und Beamte.
Wie funktioniert die Riester-Förderung?
Es gibt zwei Förderelemente: die direkten Zulagen und den Sonderausgabenabzug (§ 10a EStG). Das Finanzamt prüft automatisch, welche Variante günstiger ist (Günstigerprüfung).
Zulagen 2026:
- Grundzulage: 175 € pro Jahr
- Kinderzulage: 185 € pro Kind (vor 2008 geboren), 300 € pro Kind (ab 2008 geboren)
- Berufseinsteigerbonus: +200 € einmalig für unter 25-Jährige
Um die volle Zulage zu erhalten, muss der Sparer mindestens 4 % seines rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens einzahlen (Mindesteigenbeitrag), maximal 2.100 € jährlich inklusive Zulagen.
Sonderausgabenabzug: Wann lohnt er sich?
Wer mehr als die Zulagen durch den Steuerabzug spart, profitiert von der Günstigerprüfung. Bis zu 2.100 € können als Sonderausgaben abgezogen werden (§ 10a EStG). Rechenbeispiel: Beitrag 2.100 €, Steuersatz 35 % → Steuerersparnis 735 €. Zulage 175 €. Günstigerprüfung: 735 > 175 → Sonderausgabenabzug wird genutzt, Zulage wird angerechnet, effektive Steuerersparnis: 735 − 175 = 560 € netto.
Nachgelagerte Besteuerung
In der Rentenphase werden die Riester-Renten-Auszahlungen vollständig versteuert (§ 22 Nr. 5 EStG). Anders als bei normalen Leibrenten gibt es keinen steuerfreien Ertragsanteil. Das ist der Nachteil: Wer im Alter noch Einkommen hat, zahlt möglicherweise mehr Steuern als erwartet.
Für wen lohnt sich Riester besonders?
- Familien mit mehreren Kindern (Kinderzulagen 300 € je Kind seit 2008)
- Geringverdiener mit niedrigem Eigenbeitrag (Mindesteigenbeitrag nur 60 € bei sehr niedrigem Einkommen)
- Beamte (pflichtversicherungsähnliche Förderung)
- Gut verdienende Angestellte mit hohem Steuersatz (Sonderausgabenabzug wirkt stark)
Riester-Kündigung: Steuerliche Folgen
Wird der Riester-Vertrag vorzeitig gekündigt, müssen alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden. Das ist schmerzhaft — besonders wenn man jahrelang eingezahlt hat. Ausnahme: Wohn-Riester-Nutzung für selbstgenutztes Eigentum.
FAQ
Was passiert mit der Riester-Rente bei Arbeitslosigkeit?
Als ALG-I-Empfänger gelten Sie weiterhin als förderberechtigt, da Beitragspflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung besteht. Bei ALG II (Bürgergeld) ist die Förderung ebenfalls möglich, aber der Mindesteigenbeitrag beträgt nur 60 € jährlich.
Kann ich mehrere Riester-Verträge haben?
Ja, rechtlich sind mehrere Verträge möglich. Die Zulagen und der Sonderausgabenabzug beziehen sich jedoch auf die Gesamteinzahlungen — verteilt auf mehrere Verträge gibt es keine höhere Förderung.
Riester oder private Rentenversicherung — was ist besser?
Das hängt von der persönlichen Situation ab. Für Gutverdiener ohne Kinder ist die Riester-Förderung oft weniger attraktiv als eine fondsgebundene Rentenversicherung oder ein ETF-Depot. Für Familien mit mehreren Kindern und niedrigem bis mittlerem Einkommen ist Riester oft klar überlegen.