DeFi und Co.: Das neue Krypto-Steuerrecht
Das Bundesfinanzministerium hat 2022 mit einem umfassenden Schreiben zu Kryptowährungen die steuerliche Behandlung von DeFi, Staking, Mining und Lending geklärt. Viele der Einordnungen sind komplex – und teils überraschend für Anleger.
Staking-Rewards: Wie werden sie besteuert?

| Art | Steuer beim Erhalt | Steuer beim Verkauf |
|---|---|---|
| Native Staking (eigene Coins, z.B. ETH) | Sonstige Einkünfte zum Tageskurs | Privates Veräußerungsgeschäft (1 Jahr oder 10 Jahre Frist) |
| Liquidity Pool Rewards | Sonstige Einkünfte zum Tageskurs | Privates Veräußerungsgeschäft (1 Jahr) |
| Validatorsvergütung (Ethereum, Cosmos) | Sonstige Einkünfte (evtl. gewerblich) | Je nach Einordnung (1 oder 10 Jahre) |
Mining: Gewerblich oder privat?
Mining (Proof-of-Work) wird meist als gewerbliche Tätigkeit eingestuft:
- Mining mit professioneller Ausstattung (ASIC, Farming) → Gewerbebetrieb
- Gelegentliches "Hobby-Mining" mit GPU → kann als privat eingestuft werden
- Geminte Coins: Betriebseinnahme zum Tageskurs der Entstehung
- Strom, Hardware, Hosting: Vollständige Betriebsausgabe
- Späterer Verkauf der gemeinten Coins: Betriebseinnahme (kein Privates Veräußerungsgeschäft)
DeFi: Lending, Liquidity Mining, Yield Farming
DeFi-Erträge sind komplex und werden oft als sonstige Einkünfte behandelt:
- Krypto-Lending: Zinsen bei Rückgabe = sonstige Einkünfte (§ 22 Nr. 3 EStG)
- Liquidity Mining: Rewards = sonstige Einkünfte beim Zufluss
- Yield Farming: Token-Rewards = sonstige Einkünfte
- Swap-Transaktionen: Jeder Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere = steuerpflichtiger Veräußerungsvorgang!

NFT-Minting und DeFi-Steuer: Aktuelle Entwicklungen 2024
Für 2024 und 2025 zeichnen sich folgende Entwicklungen ab:
- Automatischer Datenaustausch (MiCA, CARF ab 2026): Krypto-Exchanges müssen Kundendaten an Finanzämter melden
- DAC8-Richtlinie (EU): Krypto-Plattformen melden Transaktionen ab 2026 automatisch
- Steuersoftware für Krypto: Tools wie Blockpit, CoinTracking, Koinly helfen bei FIFO-Berechnung
- BMF prüft Anpassung der 10-Jahres-Frist für Staking (Rechtsunsicherheit bleibt)
Steuer-Tracking für DeFi: Was du aufzeichnen musst
- Datum und Uhrzeit jeder Transaktion
- Transaktionsart (Kauf, Verkauf, Swap, Staking-Reward, Mining)
- Kurs zum Zeitpunkt der Transaktion (in Euro, aus verlässlicher Quelle)
- Anzahl der Coins und Wallet-Adresse
- FIFO-Methode anwenden (First In, First Out) für Gewinnerrechnung
Häufige Fragen zu DeFi und Steuer

Umstritten. Das BMF sieht bei Staking eine 10-Jahres-Frist. Viele Steuerexperten und der Deutsche Steuerberaterverband halten die 1-Jahres-Frist für anwendbar. Musterklagen sind anhängig.
Steuerhinterziehung droht bei nicht erklärten Einnahmen. Wer Fehler gemacht hat, sollte eine Selbstanzeige in Betracht ziehen. Die Selbstanzeige muss vollständig und rechtzeitig sein, um Straffreiheit zu gewähren.
Entgelt in Kryptowährungen ist wie Arbeitslohn zu behandeln: steuerpflichtig zum Kurswert am Zahlungstag. Arbeitgeber muss Lohnsteuer einbehalten. Der Empfänger erwirbt die Coins zu diesem Kurs als Anschaffungskosten.