Erbschaftsteuer · 3 Min. Lesezeit · Aktualisiert Jun. 2026

Erbschaft & Kapitalvermögen: Wie wird Depot, Konto & Bargeld bewertet?

Erbschaft & Kapitalvermögen: Wie wird Depot, Konto & Bargeld bewertet?

Erbschaft & Kapitalvermögen: Wie wird Depot, Konto & Bargeld bewertet?
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Wenn ein Angehöriger stirbt und ein Depot, Bankguthaben oder Bargeld hinterlässt, stellt sich die Frage: Wie viel Erbschaftsteuer fällt an? Die Bewertung ist bei Kapitalvermögen klar geregelt — es gibt kaum Gestaltungsspielraum.

Bewertung von Kapitalvermögen (§§ 11, 12 BewG)

VermögensartBewertung
Bankguthaben (Tagesgeld, Festgeld)Nennwert zum Todestag
BargeldNennwert
Aktien (börsennotiert)Börsenkurs zum Todestag
Investmentfonds/ETFsRücknahmepreis zum Todestag
AnleihenKurswert zum Todestag
Private GmbH-AnteileErtragswertverfahren (kompliziert)
Vorteil Kapitalvermögen: Im Gegensatz zu Immobilien gibt es bei Bankguthaben und börsengehandelten Wertpapieren keinen Bewertungsspielraum — der Wert ist der Marktwert am Stichtag. Das ist transparent und streitfrei.

Freibeträge für Kapitalvermögen

Es gibt keine separaten Freibeträge für Kapitalvermögen — es gelten die allgemeinen erbschaftsteuerlichen Freibeträge nach § 16 ErbStG:

  • Ehegatte/eingetragener Lebenspartner: €500.000
  • Kinder: €400.000
  • Enkelkinder: €200.000
  • Geschwister, Nichten, Neffen: €20.000
  • Nicht verwandte Personen: €20.000

Aufgelaufene Zinsen und Dividenden

Zum Nachlass gehören auch Zinsen und Dividenden, die zum Todeszeitpunkt aufgelaufen aber noch nicht ausgezahlt wurden (Stückzinsen). Diese werden bewertet und in die Erbschaftsteuerbasis einbezogen.

Doppelbesteuerung bei Kapitalerträgen: Wenn das Depot kurz nach dem Tod Dividenden ausschüttet, müssen diese Kapitalerträge in der Einkommensteuererklärung des Erben erklärt werden. Es gibt keine Steuerbefreiung nur weil das Vermögen geerbt wurde.

Nachlassverwaltung und Banken

Banken zahlen Guthaben nur aus, wenn ein Erbschein oder ein notarielles Testament vorgelegt wird. Das kann Wochen dauern. Bis zur Übertragung laufen die Konten im Namen des Erblassers — und Kapitalerträge (z.B. Zinsen) müssen auf den Erblasser gebucht werden.

Muss ich das geerbte Depot auflösen oder kann ich es behalten?

Sie können das Depot behalten. Ein Depotübertrag auf ein eigenes Depot ist möglich — der löst keine Steuer aus, da kein Verkauf stattfindet. Erst beim Verkauf der Wertpapiere fällt Abgeltungsteuer an.

Sind Geldgeschenke vor dem Tod noch erbschaftsteuerfrei?

Schenkungen werden bei der Erbschaftsteuer zusammengerechnet, wenn sie innerhalb von 10 Jahren vor dem Tod stattfanden. Nur Schenkungen die länger als 10 Jahre zurückliegen, bleiben außen vor.

Was wenn das Depot am Todestag einen Verlust hatte?

Unrealisierte Verluste (der Wert des Depots ist gesunken, aber kein Verkauf) spielen für die Erbschaftsteuer keine Rolle — es zählt der Marktwert am Stichtag. Auch wenn die Aktien drei Monate später im Keller sind.

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