Wenn ein Angehöriger stirbt und ein Depot, Bankguthaben oder Bargeld hinterlässt, stellt sich die Frage: Wie viel Erbschaftsteuer fällt an? Die Bewertung ist bei Kapitalvermögen klar geregelt — es gibt kaum Gestaltungsspielraum.
Bewertung von Kapitalvermögen (§§ 11, 12 BewG)

| Vermögensart | Bewertung |
|---|---|
| Bankguthaben (Tagesgeld, Festgeld) | Nennwert zum Todestag |
| Bargeld | Nennwert |
| Aktien (börsennotiert) | Börsenkurs zum Todestag |
| Investmentfonds/ETFs | Rücknahmepreis zum Todestag |
| Anleihen | Kurswert zum Todestag |
| Private GmbH-Anteile | Ertragswertverfahren (kompliziert) |
Freibeträge für Kapitalvermögen
Es gibt keine separaten Freibeträge für Kapitalvermögen — es gelten die allgemeinen erbschaftsteuerlichen Freibeträge nach § 16 ErbStG:
- Ehegatte/eingetragener Lebenspartner: €500.000
- Kinder: €400.000
- Enkelkinder: €200.000
- Geschwister, Nichten, Neffen: €20.000
- Nicht verwandte Personen: €20.000
Aufgelaufene Zinsen und Dividenden

Zum Nachlass gehören auch Zinsen und Dividenden, die zum Todeszeitpunkt aufgelaufen aber noch nicht ausgezahlt wurden (Stückzinsen). Diese werden bewertet und in die Erbschaftsteuerbasis einbezogen.
Nachlassverwaltung und Banken
Banken zahlen Guthaben nur aus, wenn ein Erbschein oder ein notarielles Testament vorgelegt wird. Das kann Wochen dauern. Bis zur Übertragung laufen die Konten im Namen des Erblassers — und Kapitalerträge (z.B. Zinsen) müssen auf den Erblasser gebucht werden.
Sie können das Depot behalten. Ein Depotübertrag auf ein eigenes Depot ist möglich — der löst keine Steuer aus, da kein Verkauf stattfindet. Erst beim Verkauf der Wertpapiere fällt Abgeltungsteuer an.

Schenkungen werden bei der Erbschaftsteuer zusammengerechnet, wenn sie innerhalb von 10 Jahren vor dem Tod stattfanden. Nur Schenkungen die länger als 10 Jahre zurückliegen, bleiben außen vor.
Unrealisierte Verluste (der Wert des Depots ist gesunken, aber kein Verkauf) spielen für die Erbschaftsteuer keine Rolle — es zählt der Marktwert am Stichtag. Auch wenn die Aktien drei Monate später im Keller sind.