
Nach einem Unternehmensverkauf steht plötzlich ein siebenstelliger Steuerbetrag im Raum, und in amerikanischen Podcasts gibt es darauf eine schnelle Antwort: Kauf einen Jet, zahl 20 Prozent an, schreib alles im ersten Jahr ab. Für deutsche Verkäufer ist diese Antwort falsch, aber die Frage dahinter ist richtig und drängend. Dieser Beitrag zeigt, welche Instrumente hier greifen und welche Rolle ein Flugzeug realistisch spielen kann. Den Rahmen dazu liefert Flugzeug und Steuern.
Kurz gefasst
- USA: 20 Prozent Anzahlung, voller Abzug
- Deutschland: Fremdfinanzierung erhöht die AfA nicht
- Exit-Steuer senkt man über §§ 16 und 34 EStG
- Holding vor dem Verkauf ist der größere Hebel
- Flugzeug wirkt erst über 21 Jahre
- Reihenfolge: Bedarf, Struktur, Zeitpunkt
Worum geht es im Video?
Nik Tarascio, Chef eines amerikanischen Luftfahrtunternehmens, erklärt im Gespräch mit dem Lifestyle Investor, wie Jetkäufe wirklich finanziert werden. Seine Beobachtung: Kaum jemand zahlt bar. Üblich ist eine Anzahlung plus Finanzierung, und der eigentliche Reiz liegt in der Abschreibung, die trotzdem auf den vollen Kaufpreis wirkt. Als typischen Anlass nennt er den Exit, also den Verkauf eines Unternehmens mit hoher Steuerlast im gleichen Jahr.
„Let's say someone has a big exit, they sell their company and they have this huge tax liability. One of the easiest ways to reduce that liability is to buy something like a jet that has a high cost where they put a little bit down, but they can accelerate that depreciation into one year."
Nik Tarascio im VideoDas beschreibt exakt den amerikanischen Mechanismus: kleiner Eigenanteil, voller Abzug. In Deutschland fehlt der zweite Teil vollständig, denn die Abschreibung folgt der Nutzungsdauer und nicht der Zahlung.
Warum der Hebel in Deutschland fehlt
Wer hier ein Flugzeug für 5 Millionen Euro mit 1 Million Eigenkapital kauft, schreibt trotzdem nur die reguläre Jahresrate ab. Bei 21 Jahren Nutzungsdauer nach der amtlichen AfA-Tabelle des Bundesfinanzministeriums sind das rund 238.000 Euro im Jahr. Gegen eine Steuerlast aus einem Unternehmensverkauf von mehreren Millionen ist das eine Randgröße.
Zusätzlich fällt die Umsatzsteuer an, und die ist ohne saubere Struktur kein durchlaufender Posten, sondern echter Aufwand. Wer den Kauf allein als Steuerinstrument plant, tauscht eine bekannte Steuerzahlung gegen einen unbekannten Kostenblock aus Wartung, Hangar, Crew und Wertverlust.
„It doesn't make sense, why can you buy an airplane and put 20 percent down and then depreciate the whole thing in year one? My answer is usually: who do you think writes tax law?"
Nik Tarascio im VideoDer Satz erklärt, warum solche Regeln in den USA existieren. Für die deutsche Praxis ist die Konsequenz nüchtern: Es gibt keine vergleichbare Regel, und es hilft nicht, danach zu suchen.
Was die Steuerlast aus einem Exit wirklich senkt
Beim Verkauf eines Einzelunternehmens oder von Mitunternehmeranteilen greifen die Begünstigungen der Paragrafen 16 und 34 EStG: Freibetrag unter Bedingungen, ermäßigter Steuersatz oder Fünftelregelung, je nach Sachverhalt und Alter. Beim Verkauf von GmbH-Anteilen durch eine Holding wirkt die Steuerfreistellung nach § 8b KStG, wodurch der Veräußerungsgewinn auf Ebene der Holding weitgehend unbelastet bleibt, solange keine Ausschüttung erfolgt.
- Holding vor dem Verkauf aufsetzen, nicht danach
- Sperrfristen und Vorbesitzzeiten beachten
- Freibetrag nach § 16 EStG einmal im Leben prüfen
- Ermäßigten Steuersatz nach § 34 EStG berechnen lassen
- Reinvestition ins Betriebsvermögen prüfen
- Ausschüttungen zeitlich strecken
Diese Instrumente bewegen bei einem Exit Millionenbeträge. Ein Flugzeug bewegt im ersten Jahr eine niedrige sechsstellige Abschreibung. Die Reihenfolge der Prüfung ist damit klar. Wie eine Holding-Struktur aufgebaut wird, steht unter GmbH und Holding steueroptimiert und unter Holding, Betriebsaufspaltung und Vermögensverwaltung.
Ein Exit ist der Moment, in dem Struktur mehr wert ist als jede Investition. Wer erst nach der Unterschrift optimiert, hat die größten Hebel schon liegen gelassen.

Wann ein Flugzeug nach dem Exit trotzdem Sinn ergibt
Es gibt Fälle, in denen der Kauf nach einem Verkauf sinnvoll ist, nur eben nicht als Steuertrick. Typisch ist der Verkäufer, der weiter unternehmerisch aktiv bleibt, etwa als Investor mit Beteiligungen in mehreren Ländern oder als Bauträger mit Projekten in der Fläche. Dann existiert ein betrieblicher Anlass, der die Abschreibung und die Betriebskosten trägt.
- Neue Tätigkeit definieren, aus der der Reisebedarf folgt
- Halterstruktur festlegen, bevor der Kaufvertrag steht
- Umsatzsteuerliche Behandlung schriftlich klären
- Vercharterungsanteil kalkulieren, wenn Standzeiten drohen
- Bordbuch vom ersten Flug an führen
Fehlt die neue Tätigkeit, wird es kritisch. Ein Flugzeug im Privatvermögen ist steuerlich neutral, und die Kosten treffen dich voll. Ein Flugzeug in einer Gesellschaft ohne operatives Geschäft landet schnell bei der Frage nach verdeckter Gewinnausschüttung, wie unter Flugzeug Privatnutzung und vGA beschrieben.
Für Verkäufer mit Auslandsbezug
Viele Exits laufen heute mit Beteiligung ausländischer Käufer, und viele Verkäufer denken danach über einen Wohnsitzwechsel nach. Sobald das im Raum steht, ist die Wegzugsbesteuerung der wichtigere Prüfpunkt als jede Investitionsentscheidung. Anteile an Kapitalgesellschaften werden bei Wegzug so behandelt, als wären sie verkauft. Details stehen unter Wegzug aus Deutschland und unter erweiterte beschränkte Steuerpflicht.
Wer nach dem Wegzug ein Flugzeug über eine ausländische Gesellschaft hält, muss die Nutzung im Inland im Blick behalten. Fliegt die Maschine überwiegend von einem deutschen Heimatflughafen, entstehen Fragen nach Betriebsstätte und Einfuhrumsatzsteuer. Der Einstieg dazu steht unter Flugzeug Import und Einfuhrumsatzsteuer.
Was aus dem Video bleibt
Drei nüchterne Erkenntnisse
- Der Exit ist der richtige Zeitpunkt für Steuerplanung
- Finanzierung verändert in Deutschland den Abzug nicht
- Ein Flugzeug ersetzt keine Gestaltung, es folgt ihr
Tarascios Beschreibung der Marktlogik ist zutreffend, seine Steuerlogik ist an das US-Recht gebunden. Wer beides trennt, kann aus dem Gespräch etwas lernen: nämlich dass Flugzeugkäufe fast immer aus einer Kombination von Bedarf, Finanzierung und Timing entstehen. Nur ist das Timing in Deutschland eine Frage der Nutzung, nicht des Steuerjahres. Die Gegenprobe liefert der Beitrag zur 100-Prozent-Sofortabschreibung.
Der psychologische Faktor beim Exit
Nach einem erfolgreichen Unternehmensverkauf ist die Versuchung groß, einen Teil des Erlöses in ein sichtbares Statussymbol zu investieren, und ein Flugzeug erfüllt diese Rolle besonders eindrücklich. Genau in dieser Situation, kurz nach einem großen Geldeingang und oft noch unter dem Eindruck amerikanischer Erfolgsgeschichten, werden die teuersten Fehlentscheidungen getroffen, weil die übliche unternehmerische Vorsicht durch die emotionale Erleichterung über den erfolgreichen Verkauf überlagert wird. Ein Flugzeugkauf kurz nach dem Exit ist deshalb nicht per se falsch, sollte aber derselben nüchternen Prüfung unterzogen werden wie jede andere Investition auch.
Wie sich der neue Bedarf nach dem Exit realistisch einschätzen lässt
Verkäufer, die nach dem Exit in neue unternehmerische Projekte einsteigen, etwa als Investor mit mehreren Beteiligungen oder als Business Angel, unterschätzen häufig, wie lange es dauert, bis sich ein stabiles, wiederkehrendes Reisemuster einstellt, das einen eigenen Flugzeugkauf rechtfertigt. In der ersten Phase nach einem Exit ist Charter fast immer die klügere Wahl, weil sich Reiseziele und -häufigkeit noch verändern, während ein gekauftes Flugzeug bereits Fixkosten produziert, unabhängig davon, ob sich die neuen Aktivitäten wie geplant entwickeln.
- Erste zwölf bis vierundzwanzig Monate nach dem Exit mit Charter überbrücken
- Tatsächliches Reisemuster der neuen Tätigkeit dokumentieren
- Kaufentscheidung erst bei stabilem, wiederkehrendem Bedarf treffen
- Emotionale und wirtschaftliche Entscheidung bewusst trennen
Ein Flugzeug, das aus der Erleichterung über einen erfolgreichen Exit heraus gekauft wird, unterscheidet sich wirtschaftlich nicht von einem Flugzeug, das aus reiner Steuerersparnis gekauft wird: Beide Motive tragen die Fixkosten der nächsten zwanzig Jahre nicht.
Häufige Fragen nach dem Unternehmensverkauf
Kann ich mit einem Flugzeugkauf die Steuer auf einen Firmenverkauf senken?
Nur in Höhe der Jahresabschreibung, also rund 4,76 Prozent des Kaufpreises. Ein Sofortabzug wie in den USA existiert in Deutschland nicht.
Bringt eine Fremdfinanzierung steuerliche Vorteile?
Die Zinsen sind bei betrieblicher Veranlassung abzugsfähig, die Abschreibung bleibt unverändert. Der amerikanische Hebel aus kleiner Anzahlung und vollem Abzug existiert hier nicht.
Welche Begünstigungen gelten beim Verkauf eines Unternehmens?
Je nach Sachverhalt Freibetrag und ermäßigter Steuersatz nach den Paragrafen 16 und 34 EStG, bei Anteilsverkäufen über eine Holding die Freistellung nach § 8b KStG.
Was passiert, wenn ich nach dem Exit nicht mehr operativ tätig bin?
Dann fehlt der betriebliche Anlass. Das Flugzeug wandert ins Privatvermögen oder wird in einer Gesellschaft ohne Geschäftsbetrieb zum Problem mit verdeckter Gewinnausschüttung.