
Es ist die vielleicht bekannteste Jet-Steuergeschichte des Internets: Grant Cardone erfährt am 13. Dezember von seiner Steuerlast, ruft Gulfstream an und überweist innerhalb von Tagen Millionen für ein Flugzeug, das es noch nicht gibt. Millionen Menschen haben das gesehen, und viele deutsche Unternehmer nehmen daraus mit, dass ein Flugzeugkauf am Jahresende die Steuerrechnung löscht. Genau das funktioniert in Deutschland nicht, und der Grund liegt nicht in der Höhe des Kaufpreises, sondern im Zeitpunkt der Anschaffung. Wie das Thema insgesamt zusammenhängt, steht im Überblick zu Flugzeug und Steuern.
Kurz gefasst
- USA: voller Kaufpreis im ersten Jahr abzugsfähig
- Deutschland: 21 Jahre lineare Abschreibung
- Anzahlung ist hier keine Betriebsausgabe
- Dezember-Kauf bringt nur ein Zwölftel der Jahres-AfA
- § 7g EStG scheidet bei Jet-Käufern fast immer aus
- Hebel liegt bei der Umsatzsteuer, nicht am Kalender
Worum geht es im Video?
Grant Cardone erzählt in knapp vier Minuten, wie sein Buchhalter ihn kurz vor Jahresende mit einer sehr hohen Steuerforderung konfrontiert. Statt zu zahlen, sucht er nach einer Investition, die den Gewinn drückt. Die Idee: ein Gulfstream-Jet. Der Anruf beim Hersteller ergibt eine Wartezeit von 18 Monaten bis zwei Jahren. Cardone überweist das Geld trotzdem, ohne Kaufvertrag, ohne Liefertermin, und wartet darauf, dass sich eine Maschine findet.
„I called him back. I said: hey, what if I bought a jet? Would I be ridiculous if I buy this jet, can I write off my entire tax bill? He's like: actually, that would work."
Grant Cardone im VideoÜbersetzt: Er fragt seinen Berater, ob ein Jetkauf die komplette Steuerrechnung neutralisieren würde. Die Antwort im US-Recht lautet ja, weil dort der volle Kaufpreis im ersten Jahr abzugsfähig sein kann.
Warum die Rechnung in den USA aufgeht
Hinter der Story steht die amerikanische Bonus Depreciation. Der One Big Beautiful Bill Act, am 4. Juli 2025 unterzeichnet, hat den vollen Sofortabzug für qualifizierte Wirtschaftsgüter dauerhaft zurückgebracht, ausdrücklich einschließlich Geschäftsflugzeugen, die nach dem 19. Januar 2025 angeschafft und in Betrieb genommen wurden. Bei mindestens 50 Prozent betrieblicher Nutzung lässt sich der Kaufpreis im Jahr der Inbetriebnahme vollständig gegen laufende Gewinne stellen.
Voraussetzungslos ist das auch dort nicht. Das Flugzeug muss nach dem 19. Januar 2025 angeschafft und in Betrieb genommen sein, es muss zu mindestens 50 Prozent betrieblich genutzt werden, und ein definierter Anteil davon muss als qualifizierte betriebliche Nutzung gelten. Nachweis läuft über Flugprotokolle, und der Wechsel der Nutzungsquote in späteren Jahren kann Nachversteuerung auslösen. Wer das übersieht, holt sich den Abzug im ersten Jahr und verliert ihn im dritten.
Der zweite Baustein ist die Finanzierung. Wer 20 Prozent anzahlt und den Rest fremdfinanziert, zieht in den USA trotzdem den vollen Kaufpreis ab. Aus 2 Millionen Eigenkapital wird so ein Abzug von 10 Millionen. Diese Hebelwirkung ist der eigentliche Kern aller amerikanischen Jet-Videos, nicht der Jet.
Cardones Satz „stupid is paying the IRS" beschreibt kein Steuerschlupfloch, sondern eine bewusste politische Entscheidung des US-Gesetzgebers, Investitionen in Ausrüstung sofort abzugsfähig zu machen. Deutschland hat diese Entscheidung nie getroffen.
„I got 13 days left to consummate a deal. They said: Grant, we don't keep jets to sell to people, we build them. You've got at least 18 months."
Grant Cardone über den Anruf bei GulfstreamGenau dieser Punkt ist steuerlich entscheidend. Ein Flugzeug, das erst in 18 Monaten gebaut wird, ist im Kaufjahr nicht angeschafft. In Deutschland gibt es dafür keinen Abzug, in den USA beginnt die Bonus Depreciation ebenfalls erst mit der Inbetriebnahme.

Was in Deutschland am Jahresende möglich ist
Die deutsche Rechnung sieht anders aus, und zwar an zwei Stellen. Erstens beträgt die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer für Flugzeuge unter 20 Tonnen nach der amtlichen AfA-Tabelle des Bundesfinanzministeriums 21 Jahre. Zweitens beginnt die Abschreibung erst mit der Anschaffung, und Anschaffung bedeutet Erlangung der wirtschaftlichen Verfügungsmacht, nicht Überweisung des Kaufpreises.
Eine Anzahlung auf ein Flugzeug, das erst 18 Monate später ausgeliefert wird, ist in Deutschland keine Betriebsausgabe und keine Abschreibungsgrundlage. Sie ist eine geleistete Anzahlung auf Anlagevermögen und wandert in die Bilanz, nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung. Der Steuereffekt im Kaufjahr ist null.
| Szenario 10 Mio. Kaufpreis | USA | Deutschland |
|---|---|---|
| Überweisung im Dezember, Lieferung im Folgejahr | kein Abzug, erst bei Inbetriebnahme | kein Abzug, Anzahlung aktivieren |
| Lieferung und Nutzung im Dezember | bis 10 Mio. Abzug | anteilige Jahres-AfA, rund 40.000 Euro bei einem Monat |
| Volles erstes Nutzungsjahr | bis 10 Mio. Abzug | rund 476.000 Euro |
| Fremdfinanzierung erhöht Abzug | ja, Abzug unabhängig vom Eigenanteil | ja, aber nur im Rahmen der Jahres-AfA |
Die einzige echte Vorziehmöglichkeit ist der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG mit bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten, gedeckelt auf 200.000 Euro je Betrieb und begrenzt auf Betriebe mit maximal 200.000 Euro Gewinn. Für Jet-Käufer scheidet dieses Instrument fast immer aus, weil beide Grenzen überschritten werden. Details dazu stehen unter Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung.
Der realistische deutsche Fall
Nimm einen Unternehmer mit einer operativen GmbH, 3 Millionen Euro Jahresüberschuss und einer Steuerbelastung von rund 30 Prozent auf Ebene der Gesellschaft. Er kauft im November einen Light Jet für 4 Millionen Euro, Lieferung und erster Einsatz im Dezember.
- Jahres-AfA bei 21 Jahren: rund 190.500 Euro
- Ansatz für einen Monat: rund 15.900 Euro
- Steuerentlastung im Kaufjahr: rund 4.800 Euro
- Umsatzsteuer auf den Kaufpreis: 760.000 Euro
Die Botschaft dieser Zahlen ist eindeutig: Der Abschreibungseffekt im Kaufjahr ist eine Randnotiz. Der eigentliche Betrag steckt in der Umsatzsteuer, und der entscheidet sich an der Struktur, nicht am Kalender. Genau deshalb ist die Frage der Umsatzsteuer und des Vorsteuerabzugs für deutsche Käufer wichtiger als jede Diskussion über Sofortabzug.
Wer den Jahresend-Effekt in Deutschland sucht, findet ihn nicht beim Flugzeug. Er findet ihn bei Rückstellungen, Teilwertabschreibungen, Gewinnverlagerung über Holdingstrukturen und der Frage, ob Ausschüttungen ins nächste Jahr rutschen.
Was im Dezember in Deutschland wirklich hilft
Die Frage hinter der Cardone-Story ist berechtigt: Was tun, wenn im Dezember klar wird, dass der Gewinn deutlich höher ausfällt als geplant? Die Antwort liegt in Deutschland bei anderen Instrumenten, und die wirken alle ohne Flugzeug.
- Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten prüfen
- Investitionsabzugsbetrag nutzen, wenn die Gewinngrenze passt
- Ausschüttungen bewusst ins nächste Jahr legen
- Teilwertabschreibungen auf werthaltige Positionen prüfen
- Zeitpunkt von Bonuszahlungen und Tantiemen steuern
- Vorauszahlungen anpassen, statt Liquidität zu binden
Wenn du ohnehin ein Flugzeug brauchst, dann ändert das die Reihenfolge der Entscheidung nicht. Erst der betriebliche Bedarf, dann die Struktur, dann der Zeitpunkt. Wer diese Reihenfolge umdreht, kauft eine Maschine wegen eines Effekts, den das deutsche Recht so nicht kennt, und trägt anschließend Fixkosten von mehreren Zehntausend Euro pro Jahr. Wie die laufenden Positionen steuerlich behandelt werden, steht unter Flugzeug Betriebsausgaben, und ob Kauf oder Charter passt, klärt Privatjet kaufen oder chartern.
Ein Jet senkt in Deutschland nicht die Steuerlast des laufenden Jahres. Er verteilt Aufwand über zwei Jahrzehnte und erzeugt sofort Betriebskosten. Das kann sich rechnen, aber nie als Jahresend-Manöver.
Für Unternehmer mit Gesellschaften im Ausland
Wenn du eine US-Gesellschaft hast, ist der Gedanke naheliegend, den Jet dort zu kaufen und die Bonus Depreciation zu nutzen. Steuerlich funktioniert das nur, wenn die Gesellschaft eigene Einkünfte hat, gegen die der Abzug wirkt, und wenn Substanz und Nutzung tatsächlich dort liegen. Fliegt die Maschine überwiegend innerhalb Europas und wird von Deutschland aus disponiert, stellen sich Fragen nach Betriebsstätte, Hinzurechnungsbesteuerung nach den Paragrafen 7 bis 14 AStG und Einfuhrumsatzsteuer beim ersten Verbringen in die EU.
Ein US-Abzug ohne US-Gewinn ist wertlos, und ein Jet mit deutscher Heimatbasis wird kaum als amerikanisches Betriebsvermögen anerkannt. Wie die Importseite funktioniert, steht unter Flugzeug Import und Einfuhrumsatzsteuer, die Strukturfragen unter Haltegesellschaft und Closing.
Was du aus dem Video mitnehmen kannst
Drei Punkte, die auch in Deutschland gelten
- Der Kaufzeitpunkt gehört in die Steuerplanung, nicht in die Euphorie
- Ohne belegte betriebliche Nutzung trägt keine Struktur
- Der Berater muss vor dem Kauf am Tisch sitzen, nicht danach
Was nicht übertragbar ist: der Sofortabzug, die Wirkung der Anzahlung und die Idee, eine Steuerforderung im Dezember durch einen Kauf zu neutralisieren. Wer diese drei Punkte trennt, kann aus dem Video etwas lernen, ohne eine teure Fehlentscheidung zu treffen. Vergleichbar aufgebaut ist der Beitrag zur 100-Prozent-Sofortabschreibung in den USA.
Häufige Fragen zum Jahresend-Kauf
Kann ich eine Anzahlung auf ein Flugzeug steuerlich absetzen?
Nein. Eine Anzahlung auf noch nicht geliefertes Anlagevermögen wird aktiviert. Die Abschreibung beginnt erst, wenn du die wirtschaftliche Verfügungsmacht über das Flugzeug erlangst.
Wie viel Abschreibung bringt ein Kauf im Dezember?
Die Jahres-AfA wird monatsweise gekürzt. Bei einem Kauf und Einsatz im Dezember setzt du ein Zwölftel der Jahresabschreibung an, bei 21 Jahren Nutzungsdauer also rund 0,4 Prozent des Kaufpreises.
Gibt es in Deutschland eine Bonus Depreciation für Flugzeuge?
Nein. Es gibt nur die lineare Abschreibung über 21 Jahre und in engen Grenzen § 7g EStG mit Gewinngrenze von 200.000 Euro und mindestens 90 Prozent betrieblicher Nutzung.
Hilft eine US-Gesellschaft beim Jetkauf?
Nur mit echten US-Einkünften und echter Substanz vor Ort. Andernfalls droht die Zurechnung nach Deutschland, und der amerikanische Sofortabzug bleibt wirkungslos.