Testament oder Erbvertrag: Der steuerliche Unterschied
Ein Testament ist einseitig und jederzeit widerruflich. Ein Erbvertrag ist beidseitig und bindend — beide Parteien müssen zustimmen. Steuerlich ist die Wahl der Form weniger entscheidend als der Inhalt: Wer erbt was, wann und unter welchen Bedingungen?
Freibeträge optimal nutzen: Testamentarische Gestaltung

Das Ziel jeder steueroptimierten Nachlassplanung: Die Erbschaftsteuerfreibeträge jedes Erben voll ausschöpfen — und das idealerweise mehrfach (alle 10 Jahre durch Schenkungen zu Lebzeiten).
| Erbe | Freibetrag Erbschaft | Steuersatz (über Freibetrag) |
|---|---|---|
| Ehegatte | 500.000 € | 7–30 % (SK I) |
| Kind | 400.000 € | 7–30 % (SK I) |
| Enkel | 200.000 € | 7–30 % (SK I) |
| Eltern (Erbschaft) | 100.000 € | 15–43 % (SK II) |
Vor- und Nacherbschaft: Doppelte Freibeträge nutzen
Klassisch: Ehemann stirbt → Ehefrau ist Vorerbin (nutzt ihren 500.000 €-Freibetrag). Bei Tod der Ehefrau gehen Kinder als Nacherben direkt an das Erbe des Vaters (nutzen Freibetrag vom Vater nochmals). Ergebnis: Doppelter Freibetrag für Kinder.
Pflichtteil: Steuerpflichtig oder steuerfrei?
Der Pflichtteil ist der gesetzliche Mindestanspruch für nahe Angehörige. Er ist steuerpflichtig — der Pflichtteilsberechtigte muss Erbschaftsteuer zahlen (soweit über dem Freibetrag). Der Pflichtteil kann aber steuerlich optimiert werden:
- Pflichtteilsberechtigter kann Pflichtteil geltend machen (Freibetrag nutzen)
- Pflichtteilsverzicht gegen Abfindung: Abfindung ist schenkungsteuerpflichtig
- Pflichtteilsergänzungsanspruch: Schenkungen der letzten 10 Jahre werden berücksichtigt

Vermächtnisse: Gezielte Zuwendungen außerhalb des Erbgangs
Ein Vermächtnis (§1939 BGB) ist eine Zuwendung, die der Erbe aus dem Nachlass erfüllen muss. Der Vermächtnisnehmer wird nicht Erbe — er hat nur einen Anspruch auf Auszahlung. Steuerlich: Vermächtnis wird beim Empfänger nach seinen Verhältnissen besteuert (eigener Freibetrag).
Checkliste: Steueroptimiertes Testament
- Alle Freibeträge aller potenziellen Erben ermitteln
- Schenkungen zu Lebzeiten alle 10 Jahre nutzen (Freibeträge auffrischen)
- Berliner Testament überprüfen: Sind Kinder-Freibeträge beim 1. Todesfall nutzbar?
- Vor- und Nacherbschaft prüfen (Vermeidung von Doppelbesteuerung)
- Familienstiftung für große Vermögen erwägen (langfristige Erbschaftsteuer-Optimierung)
- Steuerberater und Notar gemeinsam einschalten (Synergien!)
Ja — wenn beide Ehegatten noch leben, können sie das Testament einvernehmlich ändern oder widerrufen. Bei einem Erbvertrag ist das nur einvernehmlich möglich. Nach dem Tod des ersten Ehegatten sind Änderungen beim Berliner Testament eingeschränkt.
Sie bestimmt, dass Schenkungen zu Lebzeiten auf den Pflichtteil angerechnet werden. Das verhindert, dass ein Kind doppelt profitiert (einmal Schenkung, einmal voller Pflichtteil).

Wenn beide Parteien rechtlich bindend absichern wollen, was vereinbart ist — z.B. in Patchwork-Familien, bei unternehmerischer Nachfolge oder wenn Gegenleistungen (z.B. Pflege) vereinbart werden sollen.