Grunderwerbsteuer · 3 Min. Lesezeit · Aktualisiert Apr. 2026

Immobilienkauf aus der Zwangsversteigerung: Steuerliche Besonderheiten

Immobilienkauf aus der Zwangsversteigerung: Steuerliche Besonderheiten

Immobilienkauf aus der Zwangsversteigerung: Steuerliche Besonderheiten

Zwangsversteigerungen bieten manchmal günstige Kaufpreise — doch steuerlich gelten andere Regeln als beim normalen Kauf. Wer vorbereitet zur Versteigerung geht, vermeidet böse Überraschungen.

Grunderwerbsteuer bei Zwangsversteigerungen

Auch beim Erwerb durch Zwangsversteigerung fällt Grunderwerbsteuer an. Bemessungsgrundlage ist das Meistgebot (der Zuschlagspreis) — sofern er mindestens 7/10 des festgestellten Verkehrswerts beträgt.

Mindestgebot < 7/10: Wenn das Meistgebot unter 70% des Verkehrswerts liegt, kann das Gericht die Versteigerung aufheben und später wiederholen. Bei einem zweiten Termin entfällt das 7/10-Limit. Grunderwerbsteuer wird aber immer auf das Meistgebot erhoben.

Keine Notarkosten, aber Gerichtskosten

Ein Unterschied zum normalen Kauf: Es gibt keinen Notar für den eigentlichen Kaufvertrag (der entfällt). Stattdessen fallen Gerichtskosten für das Versteigerungsverfahren an. Diese sind in der Regel niedriger als Notarkosten beim regulären Kauf.

KaufnebenkostenNormalkaufZwangsversteigerung
GrunderwerbsteuerJa (auf Kaufpreis)Ja (auf Meistgebot)
NotarCa. 1,5-2% (Beurkundung)Nein (entfällt)
GrundbuchCa. 0,5%Ähnlich
GerichtskostenNeinCa. 0,5-1% des Zuschlagswerts

Keine Gewährleistung — steuerliche Folgen

Bei Zwangsversteigerungen gilt das Prinzip "gekauft wie gesehen" — keine Gewährleistung des Schuldners. Mängel müssen eigenständig behoben werden. Für vermietet Immobilien: Der Käufer tritt in laufende Mietverhältnisse ein.

Steuerliche Gestaltung: Wenn Sie eine Immobilie aus der Zwangsversteigerung kaufen und sofort renovieren, können die Sanierungskosten entweder sofort als Werbungskosten abgesetzt werden (Erhaltungsaufwand) oder erhöhen die AfA-Basis (Herstellungskosten). Die 15%-Grenze (anschaffungsnahe Herstellungskosten) gilt auch hier.

Übernahme von Altlasten

Grundpfandrechte (Hypotheken, Grundschulden) die im Rang vor dem Gläubiger stehen, der die Versteigerung betrieben hat, werden vom Käufer übernommen. Diese können den effektiven Kaufpreis erhöhen — und sind steuerlich als Teil des Kaufpreises zu werten.

Kann ich eine Immobilie aus der Zwangsversteigerung finanzieren?

Ja, aber Banken finanzieren Zwangsversteigerungen oft zurückhaltend und mit höheren Zinsen, da keine vollständige Due Diligence möglich ist. Das Bieten ohne gesicherte Finanzierung ist riskant — wer den Zuschlag erhält, muss innerhalb weniger Wochen zahlen.

Wie wird das Meistgebot für die AfA-Basis berechnet?

Das Meistgebot (Zuschlagspreis) + übernommene Grundpfandrechte + Gerichtskosten + Grunderwerbsteuer = Gesamtanschaffungskosten. Davon wird der Grundstücksanteil abgezogen — der Rest ist die AfA-Basis.

Was ist mit Zwangsversteigerungen von Eigentumswohnungen in einer WEG?

Der Käufer tritt in alle Rechte und Pflichten der Eigentümergemeinschaft ein — auch in etwaige Rückstände bei der Hausgeldabrechnung bis zu 5 Jahren. Diese Rückstände können beachtlich sein und sollten vor dem Bieten recherchiert werden.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 2026. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an einen zugelassenen Steuerberater.
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