Seit Juli 2021 gilt für digitale Dienstleistungen und Online-Handel ins EU-Ausland das One-Stop-Shop (OSS)-Verfahren. Wer als Händler oder Dienstleister EU-Kunden beliefert, muss die länderspezifische Umsatzsteuer korrekt abführen — und kann das zentral über OSS erledigen.
Was ist das OSS-Verfahren?

Statt sich in jedem EU-Land gesondert umsatzsteuerlich zu registrieren, können Unternehmer alle Umsatzsteuern auf EU-B2C-Lieferungen zentral in Deutschland anmelden und abführen. Das BZSt leitet die Beträge an die jeweiligen Länder weiter.
Wann gilt OSS?
- Verkauf an Privatkunden (B2C) in anderen EU-Ländern
- Überschreitung der EU-weiten Lieferschwelle: €10.000/Jahr (alle EU-Länder zusammen)
- Digitale Dienstleistungen (Software, E-Books, Streaming) an EU-Privatkunden
- Innergemeinschaftliche Fernverkäufe von Waren
Umsatzsteuersätze in ausgewählten EU-Ländern

| Land | Normalsatz | Ermäßigter Satz |
|---|---|---|
| Deutschland | 19% | 7% |
| Frankreich | 20% | 5,5% |
| Schweden | 25% | 12% |
| Luxemburg | 17% | 8% |
| Ungarn | 27% | 5% |
| Österreich | 20% | 10% |
Wie registriert man sich für OSS?
Registrierung beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) — online über das OSS-Portal. OSS-Meldungen müssen quartalsweise eingereicht werden (31. Oktober, 31. Januar, 30. April, 31. Juli). Zahlungen gleichzeitig mit der Meldung.
Bei FBA lagern Waren in Amazon-Lagern in verschiedenen EU-Ländern. Das löst ggf. umsatzsteuerliche Registrierungspflichten in diesen Ländern aus — über OSS allein ist das nicht lösbar, da OSS nur Fernverkäufe abdeckt, nicht Lagerverkäufe. OSS-Registered + separate Registrierung ist dann nötig.
Ja, aber: Wenn Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen (§ 19 UStG) und Umsätze ins EU-Ausland machen, müssen Sie prüfen ob die EU-Lieferschwelle gilt. Über €10.000 EU-Umsätze sind Kleinunternehmer trotzdem von der EU-Umsatzsteuer betroffen (gesonderte Regelung).

Verspätete oder fehlende Meldungen können zu Ausschluss aus dem OSS-Verfahren und damit zur Pflicht zur Einzelregistrierung in allen EU-Ländern führen. Außerdem Zinsen und Bußgelder in den jeweiligen Ländern.