Steuererklärung 2026: Pflicht, Fristen & die besten Tipps
Im Durchschnitt bekommen Arbeitnehmer 1.095 EUR vom Finanzamt zurück. Trotzdem verzichten Millionen Deutsche jedes Jahr auf ihre Steuererklärung. Dieser Ratgeber zeigt, wer abgeben muss, welche Fristen gelten und wo das größte Sparpotenzial liegt.
Wer muss eine Steuererklärung abgeben?
Nicht jeder ist zur Abgabe verpflichtet. Die wichtigsten Fälle für eine Pflichtveranlagung:
- Ehepaare mit Steuerklassenkombination III/V oder IV-Faktor
- Nebeneinkünfte über 410 EUR im Jahr (Vermietung, Freelance, Krypto)
- Lohnersatzleistungen über 410 EUR (Elterngeld, Kurzarbeitergeld, Krankengeld)
- Einkünfte von mehreren Arbeitgebern gleichzeitig
- Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte eingetragen
Alle anderen können freiwillig abgeben – und sollten es fast immer tun. Nur in seltenen Fällen (z. B. hohe Nebeneinkünfte ohne Vorauszahlungen) droht eine Nachzahlung.
Fristen 2026: Wann muss die Steuererklärung abgegeben werden?
- Pflichtveranlagung ohne Steuerberater: 31. Juli 2027
- Pflichtveranlagung mit Steuerberater/Lohnsteuerhilfeverein: 28. Februar 2028
- Freiwillige Abgabe: Bis zu 4 Jahre rückwirkend möglich – für 2026 also bis zum 31. Dezember 2030
Tipp: Wer die Frist verpasst, muss mit einem Verspätungszuschlag rechnen – mindestens 25 EUR pro angefangenem Monat.
Die größten Spar-Posten
| Posten | Maximalbetrag / Pauschale |
|---|---|
| Werbungskosten-Pauschale | 1.230 EUR (automatisch, ohne Nachweis) |
| Entfernungspauschale | 0,30 EUR/km (ab 21. km: 0,38 EUR) |
| Homeoffice-Pauschale | 6 EUR/Tag, max. 1.260 EUR/Jahr (210 Tage) |
| Handwerkerkosten | 20 % der Arbeitskosten, max. 1.200 EUR |
| Haushaltsnahe Dienstleistungen | 20 % der Kosten, max. 4.000 EUR |
| Spenden & Mitgliedsbeiträge | bis 20 % des Gesamtbetrags der Einkünfte |
| Vorsorgeaufwendungen | Kranken-/Pflegeversicherung: unbegrenzt; Riester/Rürup: bis 26.528 EUR |
Wichtig: Die Werbungskosten-Pauschale wird automatisch berücksichtigt. Erst wenn Ihre tatsächlichen Werbungskosten höher sind, lohnt sich das Auflisten.
Steuererklärung mit oder ohne Software?
- ELSTER (kostenlos): Das offizielle Portal des Finanzamts. Funktional, aber nicht besonders benutzerfreundlich. Für einfache Fälle ausreichend.
- WISO Steuer (~30 EUR): Führt durch die Erklärung wie ein Interview. Gute Tipps, Belegmanager, Steuerschätzung in Echtzeit.
- Taxfix App (~40 EUR): Komplett am Smartphone, Chat-basiert. Ideal für einfache Steuerfälle von Angestellten.
- Steuerberater (~200–500 EUR): Bei komplexen Fällen (Selbstständigkeit, Vermietung, Auslandseinkünfte) fast unverzichtbar – und steuerlich absetzbar.
5 häufige Fehler vermeiden
- Werbungskosten vergessen: Fachliteratur, Berufskleidung, Fortbildungen, Arbeitsmittel – alles absetzbar, wenn beruflich veranlasst.
- Kontonummer falsch: Klingt banal, verzögert aber die Erstattung um Wochen.
- Handwerkerrechnungen bar bezahlt: Nur Überweisungen werden anerkannt. Barzahlung = kein Steuerabzug.
- Sonderausgaben übersehen: Kirchensteuer, Berufsunfähigkeitsversicherung, Haftpflicht – viele vergessen diese Positionen.
- Keine Belege gesammelt: Das Finanzamt kann bis zu 4 Jahre rückwirkend Belege anfordern. Digital fotografieren und speichern reicht.
Sonderfall: Steuererklärung für Vermieter
Wer eine Immobilie vermietet, füllt zusätzlich die Anlage V aus. Die gute Nachricht: Vermieter können zahlreiche Kosten absetzen:
- AfA (Abschreibung): 2 % jährlich bei Gebäuden ab 1925, 2,5 % bei älteren. Neubau ab 2023: 3 %.
- Schuldzinsen: Die Zinsen des Immobilienkredits sind voll absetzbar.
- Werbungskosten: Renovierung, Verwaltung, Fahrtkosten zur Immobilie, Grundsteuer, Versicherungen.
Bei negativen Einkünften aus Vermietung (Kosten > Mieteinnahmen) mindert der Verlust Ihr zu versteuerndes Einkommen – ein legaler Steuervorteil.
Häufige Fragen
Muss ich als Angestellter mit nur einem Job eine Steuererklärung abgeben?
Nein, bei Steuerklasse I oder IV ohne Freibeträge besteht keine Pflicht. Aber freiwillig lohnt es sich fast immer: Im Schnitt gibt es über 1.000 EUR zurück.
Was passiert, wenn ich die Frist verpasse?
Bei Pflichtveranlagung droht ein Verspätungszuschlag von mindestens 25 EUR pro Monat. Bei freiwilliger Abgabe passiert nichts – Sie verlieren lediglich die Erstattung.
Kann ich die Steuererklärung rückwirkend abgeben?
Ja, bei freiwilliger Abgabe bis zu 4 Jahre. Für 2022 also noch bis 31.12.2026.
Lohnt sich ein Steuerberater für Angestellte?
Bei einfachen Fällen reicht eine Software für 30–40 EUR. Sobald Vermietung, Selbstständigkeit oder ausländische Einkünfte hinzukommen, ist ein Steuerberater sein Geld wert.
Fazit
Die Steuererklärung 2026 ist für viele Pflicht – und für fast alle anderen bares Geld wert. Mit moderner Software dauert die Erstellung oft unter einer Stunde. Sammeln Sie das Jahr über Belege digital, nutzen Sie alle Pauschalen konsequent, und vergessen Sie nicht die Anlage V, wenn Sie vermieten. Die durchschnittliche Erstattung von über 1.000 EUR sollte Motivation genug sein.
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